Winternothilfe 2017 in Ghazni, Afghanistan angekommen

Die im Flüchtlingscamp Ali Lala, das 2 km von der Stadt Ghazni, Afghanistan entfernt liegt, lebenden Menschen sowie weitere afghanische Flüchtlingsfamilien aus Pakistan, die sich in der Stadt Ghazni niedergelassen haben, bekamen vom Afghanischen Frauenverein e. V. Lebensmittel und Decken. Mit großer Dankbarkeit erhielten diese die Hilfsgüter.

Durch unseren Spendenaufruf konnten wir die Nothilfeaktion in finanzieller Höhe von 10.208,00 EUR durchführen. Ihre großzügige Unterstützung trug dazu bei, dass wir für insgesamt 630 Personen in 90 Familien im Ali Lala Flüchtlingscamp (60 Familen) und in der Stadt Ghazni (30 Familien) Hilfe leisten konnten. Jede Familie erhielt 50 kg Mehl, 25 kg Reis, 5 Liter Speiseöl, 1 kg Tee, 7 kg Zucker, 7 kg Bohnen und eine große Wolldecke für zwei Personen. Der Wert der Waren für eine Familie betrug ca. 100,00 EUR für zwei Monate.

Insgesamt wurden folgende Hilfsgüter verteilt:

  • Mehl: 4.500 kg
  • Reis: 2.250 kg
  • Speiseöl: 450 kg
  • Tee: 90 kg
  • Zucker: 630 kg
  • Bohnen: 630 kg
  • Große Wolldecke für 2 Personen: 90 Stück

Seit vielen Jahren leben die Menschen im Camp Ali Lala in Zelten und leiden gerade im Winter unter den harten Bedingungen. Die Menschen sind aus den Provinzen Helman Nuristan Zebul und Nuristan Urusgan Nimruz dorthin geflüchtet. Die Lage der Binnenflüchtlinge in Afghanistan hat sich deutlich verschlechtert. Seit 2016 kommen weitere afghanische Flüchtlinge aus Pakistan und sind ebenfalls dringend auf Hilfe angewiesen. Während der Verteilung der Hilfsgüter kamen Hilferufe von neu ankommenden Familien aus Pakistan, die nach Ghazni gekommen sind und Zuflucht bei Verwandten suchten oder in Baracken leben. Die Verwandten haben selbst zu wenig und viele können nicht länger bei denen bleiben, darum kam unsere Hilfe rechtzeitig und die Dankbarkeit ist groß.

Wir sind allen Spenderinnen und Spendern von Herzen dankbar, dass Sie die Menschen in Afghanistan nicht vergessen haben, und gerade in der schlimmsten Jahreszeit an die ärmsten Menschen, die alles verloren haben und nur noch das besitzen, was sie am Leib tragen, gedacht haben.

Taschakur. Danke sehr.


Dankesbriefe von zwei afghanischen Flüchtlingen

Brief von Nuragha:

Mein Name ist Nuragha, ich bin aus der Provinz Ghazni und grüße Sie ganz herzlich. Hoffentlich geht es Ihnen gut und Sie sind wohlauf.

Die Lebensmittel, die Sie uns im Winter gegeben haben, haben uns sehr geholfen, wir beten für Sie und Gott beschütze Sie. Sie haben uns einen Sack Mehl, Öl, Reis, Bohnen, Tee, Zucker und eine sehr große, dicke Decke geschenkt. Die Sachen sind für mich, meine Frau und unsere vier Töchter. Es reicht für uns zwei Monate lang. Es ist gut, dass wir die Fastenmonate gut überstehen.

Ich lebte im Ismaiel Khan Tal in Pakistan und habe in einem Gas-Laden gearbeitet. Es ging uns damals nicht schlecht.

Als wir nach Ghazni in Afghanistan kommen mussten, hat uns eine Verwandte ein Zimmer zur Verfügung gestellt. Aber leider will sie uns das Zimmer nicht länger zur Verfügung stellen. Wir sollten uns eine andere Wohnung suchen. Meine Frau hat vor drei Monaten ihr Bein gebrochen und wir haben kein Geld, um sie zu einem Arzt zu bringen.

In Ghazni habe ich auch einen kleinen Laden mit Wolle und Leder aufgemacht. Aber leider gab es einen Vieh-Virus und wir wurden von den Beamten gezwungen, unseren Laden zu zumachen. Seit drei Monaten suche ich vergeblich nach einer Arbeit und finde nichts. Manchmal finde ich für einen oder einen halben Tag eine sehr harte Arbeit mit schlechtem Lohn. Das ist auch nichts auf die Dauer. An manchen Tagen gehe ich auch ohne etwas zu erreichen traurig und mit leeren Hände nach Hause.

Zwei von meinen Töchtern gehen zur Schule. Ich bin traurig, weil sie hilflos und mittellos sind.

Gott beschütze Sie, dass Sie uns armen und verlassenen Menschen, helfen. Danke und schöne Grüße aus Ghazni

Nuragha

(April 2017, Ghazni, Afghanistan)

 

Brief von Gholam Sakhi:

Ich heisse Gholam Sakhi und ich bin aus der Provinz Ghazni und ich richte meine herzlichen Grüße an den afghanischen Frauenverein aus. Hoffentlich geht es Ihnen gut und Sie sind wohlauf. Gott beschütze Sie, dass Sie an uns, die Armen, denken und uns helfen.

Ich war sechzehn Jahren lang in Kuwita-Pakistan in Tajek-Abad für Flüchtlinge. In Ghazni arbeitete ich damals als Hilfsfahrer in einem Lastwagen. Ich hatte damals keine Frau und keine Kinder, und es ging mir auch nicht so schlecht.

Aber in Kuwita-Pakistan arbeitete ich in einem Hotel und brachte Essen nach Hause mit. Ich habe geheiratet, wir bekamen 4 Kinder. Die Kinder haben dort die Schule bis zur dritten und vierten Klasse besucht, aber leider sind sie wegen des Umzuges hier in Ghazni nicht mehr zur Schule gegangen.

Wir sind letztes Jahr nach Ghazni gekommen, und mein Onkel hat uns ein Zimmer mit Diele und Küche in einem Raum zur Verfügung gestellt. Dafür arbeitete ich für ihn ohne Lohn und Gehalt. Ich habe auch meinen Stolz. Aber jetzt will er, dass wir uns eine Wohnung suchen und gehen. Ich verkaufte hier schon Obst im Bazar, aber als der Verkauf von Waren nach Pakistan geschlossen wurde, war ich für einen Monat arbeitslos. Das Geld, was ich gespart hatte, habe ich in dieser Zeit ausgegeben.

Jetzt arbeite ich wieder als Obstverkäufer. Die Lebensmittel, die Sie uns gegeben haben, haben uns sehr geholfen. Ich habe meiner Frau gesagt, sie sollte die Lebensmittel für die Fastenzeit aufbewahren, weil ich in dieser Zeit nicht arbeiten kann. Alles was ich mit der Arbeit verdiene, bringe ich nach Hause für meine Kinder und meine Frau.

Gott beschütze Sie alle. Ich, meine Frau und meine Kinder sind sehr dankbar und beten für Sie. Schöne Grüße an Sie.

Danke!

Gholam Sakhi aus Ghazni

(April 2017, Ghazni, Afghanistan)