Afghanistan: Schulstart mit Hindernissen

Am 22. März 2022 startete in Afghanistan das neue Schuljahr. Mädchen ab der 7. Klasse durften noch nicht mit dem Unterricht beginnen.

„Wir Mädchen und Frauen wünschen uns nichts sehnlicher, als frei lernen zu dürfen, ohne Angst. Unser Traum ist, studieren zu dürfen, um unseren Familien und unserem Land zu dienen.“ Diese Worte schrieben uns zum Weltfrauentag am 8. März 2022 Schülerinnen aus einem unserer Mädchengymnasien. Wenige Tage später noch bekräftigte das Erziehungsministerium Afghanistans das 2021 gegebene Versprechen, dass auch Mädchen ab Klasse 7 ab dem 22. März das neue Schuljahr beginnen dürfen. Seit August 2021 sind sie vom Unterricht vorerst befreit.

Die Aufregung in den Wochen vor dem Schulstart war groß. Überdurchschnittlich viele Anmeldungen gingen ein, Schuluniformen und Schulbücher wurden verteilt. Umso größer war die Enttäuschung, als die älteren Mädchen an ihrem ersten Schultag auf Erlass der Ministerien wieder nach Hause geschickt werden mussten, kaum hatten sie ihre Schule erreicht.

Viele Mädchen weinten

„Bildung ist ein Grundrecht, das für alle Kinder weltweit gewährleistet sein muss. Wir sind dankbar für das Engagement und die direkte Reaktion der internationalen Gemeinschaft und Bundesregierung und hoffen, dass es schnellstmöglich auch für ältere Mädchen in Afghanistan landesweit wieder möglich sein kann, am Unterricht teilzunehmen“, so Christina Ihle, Geschäftsführerin des Afghanischen Frauenvereins.

In den aktuell fünf Schulen des Afghanischen Frauenvereins sind am 22. März über 4.000 Kinder bis einschließlich Klasse 6 an die Schulbänke zurückgekehrt. Die Mädchen ab Klasse 7 werden vorerst weiter über Homeschoolingmaterialien unterrichtet.

An der Safaa-Schule in Gedenken an Roger Willemsen in Kabul war der Andrang neuer Schüler:innen so groß, dass der Verein spontan beschlossen hat, ein weiteres Gebäude neben dem bestehenden Schulhaus dazu zu mieten und hier zusätzlich zu den 1.100 bestehenden Schüler:innen weiteren 500 Kindern Bildung zu ermöglichen, die Hälfte der Kinder sind Mädchen. Auch in unserer Schule in Kunduz sind 200 Schüler:innen mehr registriert als noch im Vorjahr. Wir freuen uns über jede Hilfe bei der Herausforderung, die dadurch entstehenden jährlichen Mehrkosten zu stemmen.

Wir danken allen Spendenden und Partnern, die Kindern und ganz besonders Mädchen in Afghanistan in dieser schwierigen Zeit Bildung ermöglichen!