Afghanistan befindet sich weiter in einer tiefen humanitären Krise. Verschärft wird diese durch die Rückkehr von mehr als 6 Millionen Geflüchteten aus Iran und Pakistan seit 2023 und immer wieder aufflammenden Kämpfen an der pakistanisch-afghanischen Grenze, die viele Familien in den Grenzregionen obdachlos werden lässt. 7.028 von ihnen versorgte der Afghanische Frauenverein in Kunar jetzt mit dringend benötigten Lebensmittelpaketen.

Kunar, 15. Juli 2026. Schon früh am Morgen sind Nour und Hazimah unterwegs. Seit Tagen gehen die beiden Sozialarbeiterinnen des Afghanischen Frauenvereins von Zelt zu Zelt in den provisorischen Camps Wadir, Shomash und Sartrawal. Sie kennen die Familien selbstverständlich alle beim Namen, prüfen noch einmal die Registrierungen und erklären geduldig, wie die Familien ihre Lebensmittel abholen können. Die Anspannung ist groß. Viele warten seit Wochen auf die dringend benötigte Unterstützung und fragen immer wieder, ob die Lastwagen den Weg in die Berge trotz der schweren Unwetter schaffen werden.

Schwere Sturzfluten und drohende Erdrutsche erschwerten den Hilfseinsatz
Eigentlich hätte die Hilfsgüterverteilung früher erfolgen sollen. Doch in dem bereits 2025 durch Erdbeben gezeichneten Kunar tobte erneut die Natur. Heftige Regenfälle und Sturzfluten machten einen Transport der Pakete in den tonnenschweren Lastwagen über die steilen Berg- und Feldwege zunächst unmöglich. Zu groß die Gefahr eines Erdrutsches, die verschlammten Straßen blieben unpassierbar.
Auch für die bitterarmen Bewohner der Camps waren die schweren Regenfälle eine Herausforderung. Ihre notdürftigen Zelte bieten den Wassermassen kaum Schutz. Feuchtigkeit dringt in die Unterkünfte, Decken und Kleidung werden durchnässt.

Kämpfe in den Grenzregionen zwingen viele Familien zur Flucht
Viele der Familien sind noch nicht lange hier. Ihre Dörfer liegen an der Grenze zu Pakistan. Die Kämpfe dort haben die Familien in die Berge getrieben. „Hier oben können uns wenigstens keine Drohnen erreichen“, erzählt Mariam. „Allerdings auch keine Hilfe. Es ist ein Segen, dass Ihr uns hier ausfindig gemacht habt.“
Als die ersten Lastwagen schließlich die Camps erreichten, ist die Erleichterung bei allen groß. Sack für Sack werden Mehl, Reis, Hülsenfrüchte, Speiseöl, Zucker, Tee und Salz ausgeladen. Die Lebensmittelpakete werden, je nach Familiengröße, für etwa sechs bis acht Wochen reichen.

Esel-Taxi für die letzten Meter der Hilfe
Viele der erreichten Haushalte werden von Frauen geführt. Für sie ist es oft unmöglich, die schweren Pakete ohne Hilfe bis zu ihren Zelten zu transportieren. Aus diesem Grund erhält jede Familie zusätzlich 200 Afghani, etwa 2,50 Euro, Transportunterstützung. Besonders beliebt – ein Eseltaxi, das die schweren Säcke direkt ans Zelt bringt.
Besondere Unterstützung für alleinstehende Frauen mit Kindern
Während der gesamten Verteilung bleiben Nour und Hazimah an der Seite der Familien. Sie helfen beim Organisieren des Transports, beantworten Fragen und geben große Acht, dass jede registrierte Familie die ihr zustehende Unterstützung erhält.

Doch ihre Arbeit endet nicht mit der Ausgabe der Lebensmittel. Erneut gehen die beiden durch die Camps und besuchen die Frauen in ihren Zelten: „Ist alles gut angekommen, seid ihr versorgt?“ Mariams Dankbarkeit ist berührend. „Ja, alles ist gut hier, wie können wir euch nur danken? – Ihr bleibt in unseren Gebeten!“, sagt sie und lässt Hazimahs Hände nicht mehr los.
Unser herzlicher Dank gilt allen Spenderinnen und Spendern, die diese Hilfe möglich gemacht haben.



