Erdbebenhilfe: Täglich warme Mahlzeiten für 2.500 Menschen

Über 2.500 Menschen im Katastrophengebiet von Kunar erreichen seit dem vergangenen Sonntag warme Mahlzeiten aus spontan errichteten Garküchen des Afghanischen Frauenvereins. Die Küchen kochen so lange, bis die Familien alle benötigten Hilfsgüter haben, um wieder für sich selbst zu kochen. Was das für die Erreichten bedeutet, erzählt Malias Mutter, Überlebende aus dem Dorf Wadeer im Nurgal Distrikt.

11. September 2025. Seit zehn Uhr morgens sitzt die acht-jährige Malia auf der Steinmauer hinter der großen Garküche, die der Afghanische Frauenverein am Vortag im Camp für Evakuierte im Dorf Wadeer, im Nurgal Distrikt, aufgebaut hat.

Ganz still sitzt sie da und beobachtet gemeinsam mit ihrem Bruder geduldig, wie die zehn Köche geschäftig Reissäcke zu den riesigen Kochtöpfen tragen, Wasser auffüllen, Würzen und immer wieder umrühren. Langsam erreicht der Dampf und mit ihm der unwiderstehliche Duft nach Fleisch, Bohnen und Reis auch die Steinmauer.

An der Essensausgabe bilden sich lange Schlangen

Malia beobachtet, wie sich immer mehr Menschen am Essenszelt der Garküche einfinden, das wie ein Hochzeitszelt aussieht. Erst Kinder, später die Erwachsenen. Eine lange Schlange bildet sich vor dem Tisch, an dem alle Kommenden registriert werden, ihre Mahlzeit und eine Wasserflasche erhalten, einen Fingerabdruck hinterlassen und mit dem Essen schnell von dannen ziehen.

Verletzte bekommen ihre Portionen in die Zelte gebracht

Malia stellt sich nicht in die Schlange. Da die Mutter verletzt ist, werden die Männer ihr das Essen für Malia und ihre Geschwister direkt zum Zelt bringen. So wurde es am Vortag vereinbart. Schnell nimmt Malia ihren Bruder an der Hand und läuft aufgeregt zu den anderen. „Es geht los, gleich kommen sie“, ruft sie schon von Weitem, streift die Schlappen ab und hüpft vorsichtig in die Notunterkunft.

Ein Zelt für bis zu 22 Personen

22 Menschen, vier Familien, sind hier sporadisch untergekommen und teilen sich das Zelt und die hierher gebrachten Matten. „Wenn nachts alle da sind, ist es eng“, erzählt Malias Mutter der Sozialarbeiterin des Afghanischen Frauenvereins „und ich sorge mich um unsere Sicherheit. Wir kennen die anderen Familien nicht. Aber wenigstens schlafen wir nicht mehr auf dem freien Feld.“

Malias Mutter ist Witwe. Insgesamt sieben Familienmitglieder hat sie durch das Erdbeben verloren. Wie diese, war auch sie selbst verschüttet. Sie wurde von den Rettungsteams aus den Trümmern befreit, per Helikopter nach Jalalabad in das Krankenhaus gebracht und nach der Behandlung zurück in ihr Dorf. „Als ich dort meine Kinder wiederfand, fiel eine schwere Last von mir. Aber wie soll ich sie nun ernähren, wie großziehen? Mit wem? Und mit was? – wir haben alles verloren.“

Zwei warme Mahlzeiten pro Tag

„Seit wir hier sind, haben wir kaum gegessen“, erzählt Malias Mutter. „Man teilt, was gebracht wird, aber da ich nicht laufen kann, gehen wir oft leer aus. Dass ihr uns nun zwei Mal am Tag warmes Essen bringt, möge Gott Euch danken. Noch haben wir hier keine Möglichkeit zu Kochen. Wir haben noch keinen Topf, wie einige andere hier. Nicht einmal einen Teller. Alles, was wir besitzen, ist die Kleidung, die wir gerade tragen“, sagt sie.

2.500 Menschen, wie Malia und ihre Familie versorgt der Afghanische Frauenverein aktuell im Dorf Wadeer und in umliegenden Camps im Nurgal und Chawki Distrikt. Mittags gibt es Reis, Bohnen, Brot und ein Stück Fleisch für jeden, abends Gemüse, Brot und ein Stück Obst.

Familienüberlebenspaketen mit dem Wichtigsten

In nur wenigen Tagen werden endlich auch die Lastwagen mit ersten Familienüberlebenspaketen des Afghanischen Frauenvereins die Camps erreichen. Die akute Not von 1.000 Familien kann damit im ersten Schritt etwas gelindert werden und sie von Essensverteilungen unabhängig machen.

Die Pakete enthalten Decken, Seife, Solarlampen, einen Eimer, Gaskocher, eine Box zum Schutz von Lebensmitteln vor Feuchtigkeit und Ungeziefer, einen Dampfkocher und eine Teekanne, Becher, Teller, Messer, eine große Plastikplane und vieles mehr.

Das Ausmaß der benötigten Hilfe ist immens

„Alle Hilfsakteure bemühen sich sehr, Hand in Hand zu arbeiten und möglichst schnell, möglichst viele Menschen hier im Katastrophengebiet mit dem Wichtigsten zu versorgen. Aber die Zeit rennt uns davon. Noch immer gibt es leichte Nachbeben, noch immer ist die Logistik sehr schwierig und die Straßen für Lastwagen eine große Herausforderung“, sagt Abdul Jabar Yosufi, Länderdirektor des Afghanischen Frauenvereins.

Wir bedanken uns bei allen, die uns bei diesem schwierigen Hilfseinsatz zur Seite stehen und Hilfe möglich machen. Sie wird so dringend gebraucht!

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60 Euro finanzieren eine Monatsration Lebensmittel, 120 Euro ein Überlebenspaket für eine Familie im Katastrophengebiet.