Erdbebenhilfe: 1.000 Überlebenspakete erreichen Menschen im abgelegenen Dorf Arit

Der Afghanische Frauenverein hat in den vergangenen vier Tagen 1.000 Hilfsgüter-Pakete an Überlebende des zerstörten Dorfes Arit im Nurgal-Distrikt verteilt. Das abgelegene Bergdorf ist nur nach einem fünfstündigen Fußmarsch erreichbar und blieb bislang von allen anderen Hilfsmaßnahmen ausgeschlossen.

Jalajabad, 24.09.2025. Das hochgelegene Dorf Arit wurde durch das schwere Erdbeben am 31.08.2025 vollständig zerstört – übrig sind nur noch Trümmer. Alle Überlebenden organisierten sich selbstständig. Einige haben am Fuße des Berges ihre Lager aufgeschlagen. Andere suchen in verschiedenen, spontan entstandenen Camps in der Umgebung Schutz. Sie alle wurden bei den verschiedenen Verteilungen vor Ort noch nicht bedacht. Um so dringender war eine schnelle Hilfe.

Bienenschwärme und Steinschläge erschweren den Einsatz

„Ihr seid die ersten, die uns hier oben besuchen“, berichtet Mustafa und klettert mühsam über die Trümmer seines Hauses zu unserem Team. „Meine Frau und meine Kinder sind unter diesen Steinen begraben, deshalb bleibe ich hier. Aber die meisten anderen sind unten im Tal. Nur dort können sie auf Hilfe hoffen, jetzt, wo keine Helikopter mehr fliegen.“ Mustafa nennt uns verschiedene Orte, wo sich die anderen Bewohner seines Dorfes aufhalten. Verfolgt von einem Bienenschwarm und Steinschlägen klettert unser Team zurück ins Tal. Dort haben unsere Kolleginnen bereits die ersten Zeltsiedlungen ausfindig gemacht, Frauen und Kinder interviewt. Der Bedarf ist immens, es fehlt ihnen an allem.

1.000 Überlebenspakete für die nur schwer Erreichbaren

In vier Verteilaktionen brachten unsere Teams in den vergangenen vier Tagen jetzt jenen 1.000 Familien aus Arit Überlebenspakete zu ihren verschiedenen Aufenthaltsorten.

Die Pakete enthalten unter anderem warme Decken für die kalten und feuchten Nächte, zwei Solarlampen, Kochgeschirr, Seife,  einen Eimer, Gaskocher, eine Box zum Schutz von Lebensmitteln vor Feuchtigkeit und Ungeziefer, einen Dampfkocher, eine Teekanne, eine große Plastikplane für den Zeltboden und vieles mehr.

Für die betroffenen Menschen war das Erscheinen der Teams des Afghanischen Frauenvereins ein entscheidendes Signal: Sie sind nicht vergessen.

Die Hilfe geht weiter

In nächsten Schritt wird der Afghanische Frauenverein die gleichen Familien mit Lebensmittelpaketen für einen Monat versorgen, damit auch sie sich wieder selbständig ernähren können, zumindest für die nächsten Wochen.

Flexibel helfen, dort wo Menschen leicht vergessen werden

„Wir sind froh, dass wir als kleiner und damit vielleicht auch flexiblerer Hilfsakteuer ganz speziell jenen Aufmerksamkeit und Hilfe zukommen lassen können, die bei Standardhilfe-Einsätzen der Großen aus verschiedenen Gründen noch nicht erreicht werden konnten“, sagt Abdul Jabar Yosufi, Länderdirektor des Afghanischen Frauenvereins aus Nurgal. „Dies sind Menschen, wie jene Bewohner aus Arit, die erst deutlich später die entstandenen Lager erreicht haben, als andere oder weiter oben in den Bergen Schutz suchen. Das sind aber auch Menschen, die zu alt sind, zu verletzt oder Frauen ohne männliche Familienmitglieder.“

Baby-Pakete dringend benötigt

„So erlebten wir bei unseren Zelt-zu-Zelt-Besuchen zum Beispiel auch, wie viele junge Mütter mit Neugeborenen und Babys nichts haben, um diese anzukleiden. Nahezu alle hier werden den kommenden Winter in diesen Zelten überleben müssen und brauchen dabei dringend Unterstützung.“

Für jede Hilfe für die Menschen im Erdbebengebiet von Nurgal sind wir unendlich dankbar!

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Ein Lebensmittelpaket für eine Familie und einen Monat kostet aktuell 90 Euro