35 ausgebildete Schneiderinnen starten in die Selbstständigkeit

Ermöglicht durch DAHW absolvierten sie eine einjährige Schneidereiausbildung.

Hamburg/Hussein Khel, 22.4.2022. Von Juni 2021 bis März 2022 wurden 35 Frauen mit Einschränkungen sowie fünf ihrer Helferinnen in den Geflüchtetencamps Hussain Khel und Pul-E-Sheena nahe Kabul alphabetisiert und erfolgreich zu Schneiderinnen ausgebildet. Finanziert wurde das Projekt durch die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V..

Teilnehmerin Naz Mina schildert die Situation, in der sie sich vor Ausbildungsbeginn befand: „Als ich drei Jahre alt war, fiel ich in unseren Tanor, den Brotofen. Seitdem ist mein Bein gebrochen und ich kann es nicht mehr bewegen. Trotzdem musste ich stets für den Lebensunterhalt meiner Familie sorgen. Deshalb bin ich auch nicht zur Schule gegangen. […] Ich bin sehr froh, dass mich das Projekt ausgewählt hat, um Nähen, Lesen und Schreiben zu lernen. Ich habe jetzt bereits erste Nähauträge und kann damit meine Familie ernähren. Das gibt uns Hoffnung.”

Unterrichtsausfälle konnten aufgeholt werden

Die Frauen setzten sich an sechs Tagen die Woche mit Stofflehre auseinander, lernten den Umgang mit Nähmaschinen und übten das praktische Nähen. Außerdem lernten sie Lesen und Schreiben sowie Buchhaltung und Akquise. Ein weiterer wichtiger Teil des Projekts war das tägliche gemeinsame Mittagessen. In diesen Zeiten konnten sich die Teilnehmerinnen untereinander und mit den Lehrkräften austauschen, Freundschaften knüpfen und ein informelles Netzwerk zur gegenseitigen Unterstützung aufbauen.

Nach der Machtübernahme der Taliban am 15. August 2021 musste das Projekt aus Sicherheitsgründen zunächst bis zum 04. November pausieren, und die Frauen arbeiteten selbstständig zuhause weiter. Trotzdem konnte die Ausbildung aber wie geplant fortgesetzt werden und alle Frauen bestanden ihre Prüfungen erfolgreich.

Die Ausbildung hilft der ganzen Familie

Absolventin Bibi Aischa Gul jaan hofft: „Ich möchte so viel eigenständiges Geld verdienen, dass ich meine Kinder zur Schule schicken kann und sie kein Plastik mehr sammeln müssen, um uns zu ernähren. Ich möchte Ihnen von ganzem Herzen für diese Hilfe danken. Möge Gott Sie beschützen.“

Wir gratulieren den Schneiderinnen herzlich und freuen uns sehr, wenn das Projekt langfristig die Lebenssituation ihrer Familien verbessern kann!

Aufgrund der großen Not vor Ort starten wir in den kommenden Wochen den nächsten Schneidereilehrgang für weitere 35 Frauen. Für dieses neue Projekt sind wir dringend auf Spenden angewiesen. Mit 50 Euro monatlich ermöglichen Sie einer jungen Frau eine einjährige Schneidereilehre.

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Text: Annika Bucher